Wirtschaftsmediation

Wenn Menschen mit unterschiedlichen Interessen aufeinander treffen, entstehen oft Konflikte. Diese sind auch im geschäftlichen Umfeld nicht zu vermeiden. Dadurch kann es zu vielerlei Problemen kommen. Durch Wirtschaftsmediation können diese Konflikte nachhaltig beigelegt werden. Dies kommt nicht nur den einzelnen Konfliktparteien, sondern auch dem Unternehmen zu Gute.

Wirtschaftsmediation, was ist das?

Unter Wirtschaftsmediation versteht man eine Methode der außergerichtlichen Klärung von Konflikten im innerbetrieblichen, zwischenbetrieblichen oder gesamtwirtschaftlichen Umfeld. Wie in jeder Mediation, wird auch in der Wirtschaftsmediation mit einem 5-Phasen-Modell gearbeitet. Durch diese sogenannte Alphastruktur

  • Auftragsklärung
  • Liste der Themen
  • Positionen und Interessen
  • Sammeln und Bewerten von Lösungen
  • das sogenannte Heureka
  • sowie die Abschlussvereinbarung

wird durch einen allparteilichen Dritten, den Mediator, geführt. Ziel der Wirtschaftsmediation ist das Finden einer einvernehmlichen Lösung, die den Bedürfnissen aller Konfliktparteien entspricht.

Besonderheiten in der Wirtschaftsmediation

Anders als bei anderen Formen der Mediation sind in der Wirtschaft oft viele Personen beteiligt. Dadurch prallen verschiedene Interessen und Bedürfnisse aufeinander, die es zu berücksichtigen gilt. Dabei bietet sich als Setting die Co-Mediation (zwei oder mehr Mediatoren) an. Dadurch wird gewährleistet die Gruppe nicht aus den Augen zu verlieren und die Bedürfnisse und Ergebnisse festhalten zu können.

Ebenfalls zu berücksichtigen sind die verschiedenen Hierarchien der Mitarbeiter und Vorgesetzten. Diese Hierarchien sind zu würdigen und trotzdem ist ein Umfeld zu schaffen, in dem partnerschaftlich an einer Lösung gearbeitet werden kann.

Manchmal werden Mitarbeiter von ihren Vorgesetzten unter Zwang zu einer Mediation gedrängt. Mediation funktioniert allerdings nur, wenn jeder Teilnehmer freiwillig mitmacht. Es obliegt dem Mediator den Teilnehmern, die innere Freiwilligkeit klarzumachen. Denn jeder Beteiligte entscheidet selbst, wie sehr er sich auf den Prozess einlässt.

Die rechtliche Situation in Österreich

Österreich gilt als Vorreiter bei der gesetzlichen Verankerung der Mediation und hat mit dem Zivilrechts-Mediations-Gesetz eine sehr gute rechtliche Basis. Darin wird der rechtliche Rahmen jeder Mediation in Zivilrechtssachen und somit auch für die Wirtschaftsmediation geregelt. Durch die gesetzlich geregelte Qualitätssicherung der Mediatoren, eine klare Abgrenzung zur Rechtsberatung, der Fristenhemmung und des Zeugnisentschlagungsrechts zur Absicherung der Vertraulichkeit entsteht Sicherheit für alle Beteiligten, sowohl für die Konfliktparteien als auch für die qualifizierten Mediatoren. Als Mediatoren tätige Personen müssen in die vom Bundesministerium für Justiz geführte Liste der Mediatoren eingetragen werden, um diesen Beruf ausführen zu dürfen. Ergänzend zu dieser Liste werden Ausbildungseinrichtungen und Lehrgänge durch das Bundesministerium für Justiz angeführt.

Ausbildungen zum Wirtschaftsmediator

Es werden Mediationsausbildungen mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsmediaton angeboten. Diese erfüllen aber nicht alle Voraussetzungen der Ausbildungsverordnung des Zivilrechts-Mediations-Gesetz um ohne Vorausbildung, zum Beispiel Studium der Rechtswissenschaften, in die Liste der Mediatoren des Bundesministeriums für Justiz aufgenommen zu werden. Die Inhalte umfassen einen theoretischen und praktischen Teil und befassen sich mit den verschiedenen Phasen und Techniken der Mediation.

Wirtschaftsmediation bietet für inner- und außerbetrieblichen Probleme eine Lösung. Im Prozess wird gemeinsam und nicht gegeneinander an einer Lösung gearbeitet. Die verschiedenen Interessen werden in Einklang gebracht und dadurch eine stabile, von allen getragene, Lösung erreicht. Getroffene Vereinbarungen werden schriftlich festgehalten und müssen dadurch nicht laufend neu verhandelt werden. Durch diese Win-Win-Situation entsteht kein Verlierer, und somit auch niemand, der zukünftige Konfliktsituationen ausnützt, um sich für seine Niederlage zu revanchieren. Wirtschaftsmediation soll dadurch die Fortführung der geschäftlichen bzw. persönlichen Beziehung ermöglichen und eine Kooperation fördern. Gegenüber kostspieligen und lang andauernden Gerichtsverfahren bietet Mediation den Vorteil eines schnellen, günstigen und öffentlichkeitsfernen Verfahrens und somit einen möglichen Imageschaden zu vermeiden. Durch ein breites Tätigkeitsfeld ist der Beruf als Wirtschaftsmediator sehr vielschichtig und abwechslungsreich. Kein Fall gleicht dem anderen. Mediaton kann zu einer einvernehmlichen Lösung helfen und eine zukünftige Zusammenarbeit weiterhin ermöglichen.