Immer mehr Unternehmen entscheiden sich für Mediation

Reibungsverluste durch Konflikte im Unternehmen können hohe Kosten für das Unternehmen mit sich bringen. Laut der Konfliktkostenstudie von KPMG werden 10 – 15 Prozent der Arbeitszeit in jedem Unternehmen für Konflikte und deren Bewältigung benötigt. Fehlzeiten von Mitarbeitern aufgrund von Ängsten und Mobbing am Arbeitsplatz belasten Unternehmen beispielsweise in Deutschland jährlich mit bis zu 30 Milliarden Euro.

In der 2008 durchgeführten Konfliktkostenstudie von KPMG wurden 4.000 Industrieunternehmen befragt. Ergänzend wurden Interviews mit Geschäftsführern und Bereichsleitern von Finanz-, Controlling- sowie Personalabteilungen verschiedener Unternehmen aller Größen durchgeführt. Ziel der Studie war es herauszufinden wie hoch die Reibungsverluste durch Konflikte in Unternehmen sind. Störungen der Kommunikation können an verschiedenen Stellen auftreten. Man unterscheidet zwischen innerbetrieblichen Konflikten, denen mit Kunden und jenen zwischen Unternehmen (B2B). Innerbetrieblich können Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Mitarbeitern bzw. Abteilungen, Vorgesetzten und Mitarbeitern oder auch Geschäftsführung und Betriebsrat auftreten. Auch Mobbing bietet einiges an Konfliktpotential. Diese Probleme haben eines gemeinsam: Sie binden Ressourcen - personelle, produktive und finanzielle. Auch das Arbeitsklima leidet und kann dadurch dem Unternehmen schaden. Am teuersten sind laut Umfrage gescheiterte und verschleppte Projekte: Jeder zweite Befragte gibt dafür ungeplant pro Jahr mindestens 50.000 Euro aus; jeder zehnte sogar über 500.000 Euro.

Gerade um solche enormen Kosten zu vermeiden greifen viele Unternehmen zu Wirtschaftsmediation. In den letzten Jahren hat der Bekanntheitsgrad der Wirtschaftsmediation bei PersonalleiterInnen immer mehr zugenommen. Laut einer Umfrage der Wirtschaftsmediatorin Regine Fischer sind 74 Prozent der befragten PersonalleiterInnen mit dem Begriff Mediation vertraut und 31 Prozent haben Wirtschaftsmediation in ihrem Unternehmen bereits angewendet. Von jenen, die Mediation schon angewendet haben, würden 93 Prozent die Mediation auch in Zukunft wieder anwenden. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2004 unter PersonalleiterInnen war der Begriff der Wirtschaftsmediation zwar schon bekannt, allerdings stand dem eine große Anzahl an potentiellen Konfliktbetroffenen gegenüber, für die der Begriff noch nicht existent war.

Ausblick für Wirtschaftsmediation

Im Vordergrund der Wirtschaftsmediation liegt die gesichtswahrende und schadensminimierende Problemlösung. Die erreichte Lösung soll eine zielorientierte, dauerhafte Veränderung des Denkens der Konfliktparteien bewirken. Durch das Auflösen von Blockaden kann eine Verbesserung der Beziehung und Motivation für eine künftige Zusammenarbeit der Beteiligten erreicht werden. Durch die vielfältigen Vorteile kann die Wirtschaftsmediation in Unternehmen immer mehr Fuß fassen, da sie eine Konfliktlösung darstellt, die die Bedürfnisse der Konfliktparteien berücksichtigt. Dadurch lassen sich Probleme deutlich nachhaltiger aus der Welt schaffen. In Zukunft ist mit einer Zunahme von Wirtschaftsmediationen zu rechnen, da Unternehmen wirtschaftlich zunehmend unter Druck geraten und Wirtschaftsmediationen immer mehr als Form der Optimierung erkannt wird. Die Zahlen der Konfliktkostenstudie von KMPG zeigen, welche Kosten durch Wirtschaftsmediation gesenkt werden können. In Unternehmen steigt die Wertschätzung für Wirtschaftsmediation. Der Österreichische Bundesverband für Mediation führt einige Fallbeispiel, bei welchen Mediation zu einer zufriedenstellenden Einigung für die beteiligten Konfliktparteien geführt hat.

Literatur zur Wirtschaftsmediation

Der steigende Trend zu Wirtschaftsmediation zeichnet sich auch in der Zunahme an Literatur zu dem Thema aus. Für Laien gibt es eine große Auswahl an Fachliteratur, erwähnenswert ist dabei die interdisziplinäre Zeitschrift „Die Wirtschaftsmediation“ (zu finden unter www.mediationsbuch.de). Im Fokus stehen dabei die Unternehmen aller Größenordnungen im deutschsprachigen Raum. Jede Ausgabe beschäftigt sich mit einem anderen Schwerpunktthema und erscheint vierteljährlich.

Weiters zu empfehlen sind die Bücher „Wirtschaftsmediation“ von Elisabeth Kals und Heidi Ittner und „Professionelle Konfliktlösung – Führen mit Mediationskompetenz“ von Anita von Hertel. Ersteres ermöglicht interessierten Lesern einen gut verständlichen Einstieg in das Thema. Die Autorinnen behandeln zunächst den Begriff der Mediation und den Aufbau einer Wirtschaftsmediation. Einzelne Phasen werden erklärt und verschiedene Vorgehenswesen geschildert. Das zweite Buch ist ein Klassiker in der Mediationsliteratur und allen Führungskräften zu empfehlen.

Quellen