Familienmediation ist grundsätzlich zur Lösung von Konflikten da

Seit vier Jahren ist Kyra Vovsik in der Familienmediation tätig und beschäftigt sich vor allem mit den Themen Scheidungs- und Trennungsmediation. Im Interview spricht sie über den Beruf und die Herausforderungen ihrer Tätigkeit.

Die diplomierte Sozialarbeiterin und ausgebildete Mediatorin, Kyra Vovsik, ist Gesellschafterin der MIT GmbH und Leiterin der Elternberatung des Instituts MIT Austria. In diesen Bereichen arbeitet sie oft in der bewährten Form der Co-Mediation gemeinsam mit ihrem Mann, Mag. Wolfgang Vovsik, und berät Paare in schwierigen Lebenssituationen. Ergänzend zu ihrer Tätigkeit bildet sie sich laufend weiter. Sie besitzt unter anderem Zusatzqualifikationen im sozialtherapeutischen Rollenspiel, systemischer Familienarbeit und absolvierte eine Ausbildung zur Paarberaterin und -trainerin der Partnerschule. Derzeit befindet sie sich in der Ausbildung zur Psychotherapeutin mit den Schwerpunkten Logotherapie und Existenzanalyse. Im Interview erzählt sie einiges über ihren Beruf als Familienmediatorin und die damit verbundenen Herausforderungen.

Wann wird eine Familienmediation in Anspruch genommen?
Hauptsächlich bei Scheidungen, um Lösungen für das Auseinandergehen zu finden, die für alle Beteiligten zufriedenstellend sind. Bei Generationskonflikten, beispielsweise Mutter-Tochter- oder Vater-Sohn Konflikten, Erbschaftsangelegenheiten oder bei der Übergabe von Betrieben.

Wie ist der Ablauf einer Familienmediation?
Häufig werden vorerst Einzelgespräche zur Vorbereitung der Mediation geführt. Bei diesem ersten Kennenlernen wird abgeklärt, ob die Mediation das richtige und sinnvolle Verfahren ist und welche Beteiligten tatsächlich an den Verhandlungstisch gehören. Ist das, geklärt wird mit allen Beteiligten im ersten Schritt das gemeinsame Ziel definiert und die Struktur der Mediation erarbeitet. Das ist notwendig, da jede Mediation einzigartig ist und das Prozedere auf jeden einzelnen Fall zugeschnitten werden muss.
Falls notwendig werden auch die juristischen Rahmenbedingungen besprochen und abgesteckt. Wichtig ist jene Themen zu definieren, die für das Erreichen des gemeinsamen Zieles besprochen werden müssen, bevor die Bedürfnisse und Gefühle der einzelnen Beteiligten in den Vordergrund rücken. Dadurch soll das wechselseitige Verstehen gefördert werden. Das ist immer der Wendepunkt, an dem es in Richtung gemeinsamer Lösung geht. Diese wird in fast allen Fällen so verschriftlicht, dass sie auch bei Gericht verwendet werden kann.

Welche Probleme können auftreten?
Alle möglichen, die sich aus den Strukturen und Emotionen der einzelnen Beteiligten ergeben. Zum Beispiel, wenn jemand in der Mediation das erreichen will, was ihm seiner Meinung nach per Gesetz zusteht. Das ist nur bei Gericht zu erstreiten. In der Mediation bekommen die Menschen das, was ihnen wichtig ist und was sie brauchen. Sehr oft ist das etwas ganz anderes, wie es das Gesetz vorsieht. Medianden müssen in der Lage sein, sich selbst zu vertreten und eine friedliche Lösung wollen. Dieser Lösungswille ist nicht immer da, vor allem, wenn es ein falsches Verständnis von Mediation gibt.

Was tun Sie, wenn einer der Partner nicht mitarbeiten will?
Mediation ist grundsätzlich eine freiwillige Angelegenheit. An dieser Freiwilligkeit wird nicht gerüttelt. Wenn ein Partner nicht will, findet keine Mediation statt. Allerdings gelingt es manchmal im Vorgespräch den Mediationswilligen in entsprechender Form bei der Kommunikation mit dem mediationsunwilligen Partner so zu unterstützen, dass für diesen die Mediation doch interessant wird.

Worin liegt der Unterschied von Familienmediation zu Familienberatung?
Die Familienmediation ist grundsätzlich zur Lösung von Konflikten da, wobei der Schwerpunkt in der Zukunft liegt. Geregelt ist die Mediation im Zivilrechts-Mediations-Gesetz. Gemäß dieser Definition ist Mediation eine auf Freiwilligkeit der Parteien beruhende Tätigkeit, wobei ein fachlich ausgebildeter, neutraler Vermittler (der Mediator) mit anerkannten Methoden, die die Kommunikation zwischen den Parteien systematisch fördert. Ziel ist, eine Lösung zu finden, die für alle beteiligten Parteien zufriedenstellend ist. Die Familienberatung ist per Gesetz zu den Lebens- und Sozialberatern zugeordnet. Dabei besagt die Gewerbeordnung, dass für die Beratung und Betreuung von Menschen, im Zusammenhang mit Persönlichkeitsproblemen, Ehe- und Familienproblemen, Erziehungsproblemen, Berufsproblemen und sexuellen Problemen, die Lebensberater zuständig sind.